Ich muss ja gestehen, dass mich das Thema einfach fesselt und beschäftigt und ich stets nach Möglichkeiten suche, die derzeitigen Trends und negativen Entwicklungen mit Alternativen zu umgehen, die nicht wirklich einen großen Mehraufwand darstellen. Klar kann ich versuchen, selbst mein Gemüse und Obst anzubauen, am Fensterbankerl Salat anzubauen und den Rest direkt bei Bauern zu beziehen. So geht aber viel Zeit und Energie nur für die Lebensmittelbeschaffung bzw. Erzeugung drauf. Und meistens höre ich von Bekannten und Freunden, dass die Ziele und Vorhaben unrealistisch und viel zu aufwendig wären, als dass ich sie begeistern könnte dafür. Sie blocken ab, und daher suche ich bei jedem Tip, bei jeder Diskussion und bei meinen eigenen Gedanken stets Möglichkeiten, die wenig Mehraufwand bei größtmöglicher Optimierung bieten…
Auf der anderen Seite spüre ich, wie wenig Vertrauen ganz allgemein in unsere Lebensmittel gesetzt wird. Ein Facebook Freund von mir hat unlängst ein kurzes Video gepostet, dass auf Äpfeln eine dünne Wachsschicht zur Konservierung aufgetragen ist. Zum Beweis kratzt er mit einem Messer eine paar Kräusel heurnter, die genau wie Wachs aussehen. Es hat ziemlich viel Ressonanz verursacht und das Publikum hat vielfach diese Wachsschicht geprüft und sogar auf Bio Äpfeln gefunden. Der Ärger und Missmut war groß, schnell war klar, dass „die Lebensmittelindustrie“ die Äpfel einfach schöne und länger haltbarer machen möchte auf Kosten unsere Gesundheit. Wachs kann ja nicht gesund sein und hat auf Äpfel ja gar nichts verloren. Bis dann ein ehemaliger Einkäufer im Lebensmittelgroßhandel und Freund des Posters, also vertrauenswürdig, sich zu Wort gemeldet hat und erklärt hat, dass einige Sorten eine natürliche Wachsschicht haben und dass es zwar einen Versuch gegeben hat, Äpfel mit Wachs zu schützen, aber das war vor 25 Jahren und ist schief gegangen….
Also Misstrauen ist vorhanden, oft auch die Nichtakzeptanz der Wegwerfkultur von Supermarktketten. „In den Industrieländern gehen die Lebensmittel zu über 40 Prozent im Handel sowie bei den Konsumentinnen und Konsumenten verloren…“, ist auf wien.gv.at zu lesen und ein großer Anteil wird bereits vom Handel entsorgt. Dass wir immer alles und überall kaufen können, zeigt ja nur, dass wir ganz einfach viel zu viel haben und das dadurch viel zu billig verkaufen können. Ich stehe oft (leider) am Samstag (noch leiderer) beim Billa oder Merkur und muss die Frischfisch Abteilung mir ansehen. Ich selbst kaufe ja nur noch Fisch aus Österreich und dann wenn möglich beim Fischbauern (gibts einige, aber dazu später mehr), einfach weil es für mich nicht akzeptabel ist, dass wir unsere Ozeane leerfischen damit sich jeder Fisch leisten kann. Und dann weiß ich , dass der meiste Fisch 2 Tage später bereits im Müll liegt… sad but true. Es gibt auch schon Gruppierungen, die regelmäßig „Waste Food“ suchen und sich davon problemlos ernähren können.. zum Nulltarif.. der Konsument ernährt mit.
Wie auch immer, ich selbst werde bis auf weiteres in keinen Mülltonnen rumstierln und meine Lebensmittel auch nicht selbst anbauen, jedoch mag ich unser System der großen Lebensmittelketten nicht so akzeptieren und schon gar nicht unterstützen. Weitere Fakten, die gegen eine Zentralisierung der Nahrungsmittelketten und die stetige Vergrößerung des Angebotes spricht, ist die Verdrängung des kleinen (meist aber feinen) Handels. Was bei Billa und Co nicht gut geht, fliegt aus dem Programm. Es sind stets die standardisierten Lebensmittel, die in den Regalen rumstehen und die alle gleich aussehen und meist nach wenig bis gar nix schmecken. Sozial gesehen lassen Billa und Co auch die Bauern recht schnell in den Ruin rutschen, weil sie eine gewaltige Übermacht am Markt darstellen und damit die Preise drücken und manipulieren können wie sie möchten. Quantität steht weit vor Qualität, falls diese überhaupt vorkommt und auch jegliche Form von Ökologier bleibt auf der Strecke. Wer im Winter Himbeeren aus Südamerika oder Knoblauch aus China ode auch, sad but true, geschälte Bananen im Plastiktray anbietet, dem ist sein ökologischer Fußabdruck einfach ziemlich egal.
Doch was tun? Gibt es Alternativen? Ja!
Es gibt kleine aber feine Märkte, auch in Wien. Vom echten Bauernmarkt über Spezialitätenmärkte und selbst Produzierenden Betrieben. Frisch,regional und vor allem, nachvollziehbar.
Bei allen Zertifikaten, Garantien, Ökoprodukten bleibe ich bei der gleichen Gretchenfrage hängen: Wie kann ich der Information vetrauen? Wie gehe ich sicher, dass das Produkt wirklich so angebaut wurde, so erzeugt, dass ich es vertreten kann und den oft beträchtlich höheren Preis zahlen und gerechtfertigt finden kann. Gar nicht, weil ich lediglich das Marketing des Produktes als Anhaltspunkt habe. Für mich selbst habe ich dei Bauernmärkte in und rund um Wien für mich entdeckt. Zugegeben, Fleisch und Fisch ist schwer leistbar, also wirklich merkbar teurer als das Biozeugs im Supermarkt. Das ist jedoch der echte Preis, den diese Produkte haben, wenn sie nachhaltig erzeugt werden und den Betreiber auch noch eine finanzielle Einkunft bringen soll. Ganz anders sieht es da bei Gemüse aus. Ich kaufe gerne und viel ein und bin jedes mal erstaunt, wie wenig ich dafür bezahlen muss. Es ist nicht teurer, als wenn ich im Supermarkt die selbe Menge kaufe, es ist frisch und ich kann mit den Menschen sprechen, die es auch angenbaut haben, meistens zumindest. Somit kann ich endlich auch darauf vertrauen, dass ich mit meinem Einkauf den Bauern der Umgebung etwas Gutes tue, da 100% des Kaufpreises an sie gehen und mir etwas Gutes tue, indem ich frisches Obst und Gemüse zu mir nehme.
An dieser Stelle in geeignetem Format soll eine aktuelle Übersicht über die Bauern- und Biomärkte in Wien kommen und jedem ermöglichen, soweit wie möglich auf Supermärkte zu verzichten und seinen Nahrungsmittebedarf durch echte Nahversorger abzudecken. Falls Ihr einen Tipp für mich habt oder Fragen, wie immer gerne, just comment below…