Auf der SocialNetworkDiktatur Facebook bin ich über einen Artikel im Standard gestolpert, der ein mir sehr bewußtes Thema wieder ganz in den Vordergrund gerückt hat und der mich so wütend und verärgert macht, daß ich ihn umgehendst teilen will.
Der-Tod-im-Tank im Standard vom 10. August
Doch der Reihe nach….
Vor längerer Zeit habe ich die Debatte um die zwangsweise Beimischung des Biosprits Ethanol zum herkömmlichen Benzin verfolgt und die Sinnhaftigkeit dieser Verpflichtung. Die Einführung des E10 Treibstoffes, der eben 10% Biosprit enthält, wird auf der Homepage des Biokraftstoffverband mit Nachhaltigkeit beworben und damit, daß ja ohnedies fast alle Fahrzeuge diesen Kraftstoff vertragen. Die Realität birgt jedoch gleich mehrere gewaltigen Haken. Um Biosprit herzustellen benötigt man Land, auf dem man ansonst Lebensmittel erzeugen kann. Wir erzeugen Sprit anstelle von Nahrung und das auch in Ländern, die vom Hunger betroffen sind. Priorität liegt ganz klar dort, wo mehr Gewinn erwartet werden kann und dabei wird keinerlei Rücksicht auf das Leben und die Ernährung einer Bevölkerungsgruppe gelegt, die kein Einkommen, keine Rohstoffe oder sonstige monetär verwendbaren Mittel besitzt, quasi wertlos ist.
Der nächste Haken an der Geschichte ist die Düngung der landwirtschaftlich genutzten Flächen, die, tata, natürlich aus Erdölprodukten hergestellt werden. Somit erzeuge ich Biokraftstoff wegen der Nachhaltigkeit, erzeuge diesen aber mithilfe von Erdölprodukten, die ich sonst nicht gebraucht hätte. Ganz toll.
Hauptsache es wird nichts verändert, Hauptsache das System läuft weiterhin reibungslos und eine kleine Bevölkerungsgruppe verdient sich dumm und dämlich.
Apropos dämlich, für das will man „uns“ (gesehen als gar kein oder nicht relevant viel Geld besitzende Menge) ja meist verkaufen. „Von knapp einer Milliarde Menschen, die weltweit Hunger leiden, sind zehn Prozent von Naturkatastrophen betroffen.“ Was soviel heißt, dass der Rest davon, also 900 Millionen Menschen deshalb Hunger leiden, damit wir Profit machen. Ohne Naturkatastrophe, ohne Dürre, ohne auch nur irgendwas nicht vorhersehbares. Dieses Leid wird einfach in Kauf genommen. Great. Sei es nun für die Spritproduktion oder auch die Produktion von Palmöl für die Lebensmittelindustrie, für die man doch schon mal einen Regenwald abholzen kann. Achja, schon wieder so ein leidiges Thema, mit dem wir uns am besten gar nicht belasten wollen. Oder doch?
Yep, Palmöl braucht sowohl die Kosmetikindustrie (die Guten, die nicht an unserem Geld interessiert sind) als auch die Lebensmittelindustrie, um billig Fette zu erzeugen um uns fett zu machen und scheuen dabei nicht Kosten und Mühen , ihre Produkte noch billiger produzieren zu können um uns noch fetter zu machen. Regenwald? Sowieso total überbewertet. Nachhaltigkeit? Wozu. Gesundheit und wertvolle Lebensmittel? Der menschliche Körper kommt auch mit viel weniger aus, als uns die Experten raten. Ein wenig Fett mit Zucker, da ist alles drin, was uns nicht verhungern läßt. Und so nehmen wir Menschen in armen Ländern die Nahrung weg, um für uns wertlosen Schrott zu produzieren, der uns nur dick und krank macht. Sehr gut!
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=IzF3UGOlVDc[/youtube]
Natürlich nicht nur Nestle, alle Global Player spielen das gleiche Spiel. Alternativen? Gibts fast keine mehr.
Ein weiterer Artikel auf Orf.at beschreibt genau dieses Phänomen, daß die kleinen Bauern in fast allen Ländern nicht genug Geld für ihre Produkte bekommen um davon Leben zu können. Konkret lassen italienische Bauern ihr Obst und Gemüse lieber verrotten, weil die Kosten für die Ernte teurer wäre, als die Einnahmen aus dem Verkauf. Der Kostenvorteil durch Handelskonzerne wird jedoch keinesfalls an den Kunden weitergegeben. Laut der die Direktvermarktungsinitiative „Col Diretta“ schlagen die großen Supermarktketten teilweise Gewinnspannen auf die Produkte, von denen andere Branchen nur träumen können. „So wird bei Eisbergsalat bis zu 550 Prozent draufgeschlagen, bei Nektarinen 470 Prozent und bei Wassermelonen knapp 300 Prozent.“
Welche Hoffung bleibt uns?
Wir haben nach wie vor die Entscheidung. Wir als Konsumenten entscheiden uns, wofür wir unser Geld geben und wen wir fördern. Wir können weiterhin das ganze Jahr über Erdbeeren essen oder, wie heute gesehen, Zwetschken aus Frankreich (bei uns wachsen ja keine) oder Beeren aus Südamerika oder Knoblauch aus China. Vielleicht bitte noch mit einer Bioetikette drauf, weil hier ja nachhaltig angebaut wurde.
Think twice, schau aufs Etikette und kaufe bewußt ein. Kein Gütesiegel kann mir weismachen, daß Schweinefleisch um 4,99€ irgendwas mit Nachhaltigkeit und Tierschutz zu tun hat. Kein Fairtrade Siegel kann mir nahelegen, daß Beeren aus Südamerika mir Vitamine und einem Südamerikanischen Bauern einkommen verschafft. Kein Naturschutzzeichen kann mir Nachhaltigkeit bei Hochseefischerei verklickern. Jeder von uns muß sich bewußt sein, daß jede Konsumentscheidung die wir treffen ein Zeichen ist und eine Wirkung hat. Wir können nicht die Welt von heute auf morgen verändern. Aber mit jedem Einkauf können wir zeigen, daß wir uns nicht veräppeln lassen.
Ich habe mir unlängst 10kg frisch gefischte Forellen von einem kleinem niederösterreichischem Fischzüchter geholt. Nachhaltig, ökologisch und mit direkter finanzieller Unterstüzung des Produzenten. Merkur, Billa & Co können solche Produkte nicht bieten.
Postet doch auch eure Meinung oder euren Beitrag, eure Idee zum Thema Ökologie und Nachhaltigkeit.